Bauten aus Seilen, Netzen und Membranen

Frei Paul Otto 1925 – 2015

Das Thema seines Lebens, der Leichtbau umfasste für ihn viele Facetten: das effiziente und ressourcensparende Bauen, das Studium der lebenden und der nicht lebenden Natur ebenso, wie die Auseinandersetzung mit dem Leichtbau als der größten Herausforderung des Ingenieurschaffens.

Bereits 1952, also bereits vor seiner Promotion, eröffnete Frei Otto ein eigenes Architekturbüro in Berlin-Zehlendorf. 1957 folgte seine „Entwicklungsstätte für den Leichtbau EL“. 1962 gab er das Grundlagenwerk „Zugbeanspruchte Konstruktionen. Gestalt, Struktur und Berechnung von Bauten aus Seilen, Netzen und Membranen“ heraus. Die Veröffentlichung hatte epochale Bedeutung und führten zu neuen, interdiziplinären Herangehensweisen für die mit dem Planen und Bauen unserer gebauten Umwelt befassten Wissenschaften.

Früh entwarf und entwickelte Frei Otto bemerkenswerte Bauten aus Stoff. Dazu gehören beispielsweise der Musikpavillon „Vierpunktsegel“ der Kasseler Bundesgartenschau 1955 oder der „Tanzbrunnen“ der Kölner Bundesgartenschau 1957. Als Leiter des Sonderforschungsbereichs 64 „Weitgespannte Flächentragwerke“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft legte Frei Otto die konstruktiven und gedanklichen Grundsteine für die Bauten der Olympischen Spiele 1972 in München. Die Ergebnisse dieses sogenannten SFB 64 hatten einen großen Einfluss auf das Denken und Arbeiten einer ganzen Generation von Architekten und Ingenieuren. Frei Otto war immer wieder derjenige, der voranging, der Neues erdachte und der alle anderen mit seiner Sicht der Dinge überraschte.
Erstaunlicherweise hat Frei Otto selbst als entwerfender und verantwortlicher Architekt nicht viel gebaut. Er war in den meisten Fällen Spiritus Rector, Berater, Helfer und sagte von sich selbst: „Ich habe wenig gebaut. Ich habe viele ,Luftschlösser’ ersonnen.“ Ich möchte hinzufügen: Ohne das Ersinnen von solchen Luftschlössern, ohne das Denken und Wandern in der terra incognita gibt es keinen echten Fortschritt.

im Bereich des Nachhaltigen Bauens und bei der Bionik beim Bauen ist Frei Otto bis heute aktuell,

1955 Vierpunktsegel, Bundesgartenschau Kassel
1957 Tanzbrunnen, Rheinpark in Köln
1963 St.-Lukas-Kirche, Bremen-Grolland
1967 Deutscher Pavillon, Expo 67 in Montreal
1968 bewegliche Überdachung,Stiftsruine Bad Hersfeld
1971 Bonhoeffer-Kirche, Bremen-Huchting
1972 Olympiadach/Seilnetzdächer, München
1974 Konferenzzentrum, Mekka
1975 Multihalle, Mannheim
1980 Voliere, Tierpark Hellabrunn München
1985 Behörden- und Kulturzentrum Tuwaiq Palace, Riad
1988 Produktionspavillons, Wilkhahn Bad Münder
1991 Ökohaus, Corneliusstraße Berlin-Tiergarten
2000 24-m-Rundzelte, Leonberg

 

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