PDF: Barrierefrei

Neulich rief mich eine Kollegin an und fragte nach den Kriterien für Barrierefreie PDFs. Unterlagen und Information zu einem Kongress sollten auch sehbehinderten Menschen zugänglich gemacht werden.Dass diese Anforderung erst kurz vor Fertigstellung des Vorhabens aufs Tapet kam, zeigt, wie wenig Barrierefreiheit in Textdokumenten im Blick ist. Mit einigen überschaubaren Arbeitsschritten ist es oft möglich, in solchen verspäteten Fällen eine, zumindest gerade ausreichende, barrierefreie Minimalbasis eines digitalen Textdokumentes zu erreichen. Immerhin.

Barrierefreie Textdokumente können nicht nur als PDFs, sondern zum Beispiel auch als auch als Word-, Open Office- oder Libre Office Dokumente, unter Verwendung der entsprechenden Programme, erzeugt werden. Eine gute Idee ist es allerdings, das „Vorhaben Barrierefreiheit“ nicht als bloßes Anwenden technischer Eigenschaften zu sehen. Erst die redaktionelle Berücksichtigung verleiht das nötige Fundament. Für jeden Audio- oder visuellen Inhalt sind geeignete äquivalente Inhalte als adäquate Entsprechung des originären Inhalts, bereitzustellen. Bilder und Abbildungen müssen mit einem Alternativtext versehen werden, komplexere visuelle Elemente wie Diagramme, Tabellen, Abbildungen, Animationen oder Bilder sollten schon im Fließtext genau beschrieben werden. Zudem müssen Texte und Grafiken auch dann verständlich sein, wenn sie ohne Farbe betrachtet werden. Ausreichende Kontraste der Texte und Bilder sind gefordert.

Stichworte:
Verwendung von Formatvorlagen und Formatierungen für Absätze, Überschriften und Seiten.
Deklarierung der Primärsprache des Dokuments.
Kenntlich machen sprachlicher Besonderheiten wie Wechsel der Sprache oder Abkürzungen.
Erläutern oder Vermeiden von Abkürzungen und Akronymen.
Beschreiben komplexer Tabellen und Diagramme schon im Fließtext.

Verständlichkeit
Die Verwendung einer sehr einfachen und klaren Sprache erleichtert das Textverständnis für Menschen mit kognitiver Behinderung (Dyslexie), jüngeren Menschen sowie Menschen, deren Muttersprache eine andere ist, als die Primärsprache des Dokuments. Wie weit Vereinfachungen getrieben werden können und sollen, ist von der Art und vom Inhalt des Dokumentes abhängig. Erwartungen der Leserschaft sollten natürlich erfüllt werden und die Sprache angemessen sein.

Typografie
Serifenlose Schrifttypen (Arial, Helvetica, Lucida Sans, Verdana) sind in Großdruck einfacher zu lesen als Schrifttypen mit Serifen (Times New Roman, Georgia, Cambria). Einige Hersteller bieten auch Schrifttypen an, die für den Bildschirmeinsatz optimiert wurden.
Jede Art der Schriftgestaltung ist sparsam einzusetzen. Kapitälchen (Großbuchstaben), sind zum Beispiel schlecht lesbar. Eine Vergrößerung der Laufweite oder eingefügte Leerzeichen im Wort sind zu vermeiden. Eine größere Laufweite (Spatium) erschwert für sehbehinderten Menschen die Lesbarkeit eines Textes, bei Leerzeichen im Wort wird dieses von einem Screenreader buchstabiert und nicht als Ganzes vorgelesen.
Der Zeilenabstand sollte größer gewählt werden, mindestens 1,5-fach. Linksbündige Flattersatzist weiterhin zu empfehlen, da Blocksatz den Text streckt oder staucht. Zentrierter Satz erschwert sehbehinderten Nutzerinnen und Nutzern sowie Legasthenikern, den Zeilenanfang zu finden, da jede Zeile an einer anderen Position auf der Seite beginnt. Optimal ist, auf Worttrennungen am Zeilenende zu verzichten.

Gruppieren von Information
Das unterteilen von Informationen in kleinere Abschnitte, ist besonders hilfsreich für Menschen, die assistive Technologien einsetzen. Diese bewegen sich meist von Überschrift zu Überschrift und von Absatz zu Absatz durch ein Dokument. Es erleichtert die Navigation innerhalb des Dokuments und erleichtert das Auffinden der gesuchten Informationen.

Überschriften
Überschriften und Unterüberschriften werden verwendet, um ein Dokument in mehrere Abschnitte zu unterteilen. So erzeugt die Verwendung von Formatvorlagen für Überschriften eine Gliederung des Dokuments. Diese Gliederung kann bei der Betrachtung mit Screenreadern für die Navigation innerhalb des Dokuments genutzt werden. Das bloße Vergrößern der Schrift oder der Einsatz von Fettdruck kann zwar optisch ein ähnliches Ergebnis bringen, aber es wird keine maschinenlesbare Gliederungsstruktur erzeugt. Überschriften sollten die Navigation im Dokument erleichtern. Aus einer Überschrift sollte klar hervorgehen, worum es im jeweils folgenden Abschnitt geht. Nutzen Sie Überschriftformate nicht zur Hervorhebung einzelner Wörter oder Phrasen innerhalb des Textkörpers.
Die Verwendung von Formatvorlagen für Überschriften erlaubt eine rasche Änderung und Anpassung des Layouts, da nicht jede einzelne Überschrift angepasst werden muss, sondern lediglich die Formatvorlage für Überschriften geändert wird.
h1: Titel des Dokuments. Es sollte nur eine “ Überschrift h1″ innerhalb eines Dokuments geben.
h2: Überschriften der Kapitel.
h3: Zwischenüberschriften. Unterüberschriften zur Unterteilung von Kapiteln
h4, h5, h6: Insgesamt sind sechs Übeschriftklassen möglich.

Was sind PDF-Tags?
PDF-Tags geben die Struktur eines Dokuments wieder. Sie geben an, welcher Text eine Überschrift ist, welche Textteile einen Absatz bilden oder ob ein Text ein Lesezeichen darstellt. Da Tags die Dokumentenstruktur abbilden, kann so die genaue Leserichtung angegeben und die Navigation in einem PDF-Dokument verbessert werden.
PDF-Tags helfen Menschen, die beispielsweise mit Hilfe eines Screenreaders ein PDF-Dokument lesen, die Struktur und den Inhalt eines Dokuments zu erfassen. Fehlen die PDF-Tags in einem Dokument, dann kann die Leserichtung zwar ausgehend von der Grundeinstellung in Acrobat abgeleitet werden, aber häufig werden dann Inhalte in der falschen Reihenfolge oder überhaupt nicht vorgelesen.
Da PDF-Tags aus der Struktur des Ausgangsdokuments erzeugt werden, muss dieses selber gut strukturiert sein. Arbeiten Sie daher bspw. in Textverarbeitungsprogrammen immer mit Formatvorlagen für Überschriften und Absätze, geben Sie jedem Bild einen Alternativtext und zeichnen Sie Hyperlinks in einem Textdokument entsprechend aus. Jede Anforderung, die bereits vom Ausgangsdokument erfüllt wird, muss dann nicht nachträglich in dem PDF-Dokument bearbeitet werden.

Listen
Informationen können in Listen gesetzt werden, um die Informationen hervorzuheben, zu gruppieren oder in einer bestimmten Reihenfolge darzustellen. Die beste Vorgehensweise zur Erstellung von Listen ist die Verwendung von Aufzählungen und Nummerierungen. Dadurch können Listen von assistiven Technologien wie Screenreadern auch als Listen erkannt und korrekt wiedergegeben werden. Außerdem erleichtert der Einsatz von Aufzählungen und Nummerierungen den Export eines Textdokuments als HTML- oder PDF-Datei. Die manuelle Erstellung von Listen mit Tabulatortaste und Sonderzeichen kann zwar optisch ein ähnliches Ergebnis produzieren, aber eine so erstellte Liste ist von assistiven Technologien nicht als Liste zu erkennen.

Alternativtexte für Bildelemente
Alternativtexte ermöglichen es sehbehinderten oder blinden Menschen, den Inhalt von Bildern zu erfassen. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich bei einem Bild um eine Informationsgrafik oder ein dekoratives Element handelt. Entsprechend ist mit den Alternativtexten zu verfahren. Textäquivalente sollten kurz und eindeutig formuliert werden. Je nach Arbeitsumgebung werden Alternativtexte im Kommentarfenster der Bilder der Textverarbeitungsprogramme oder der Bildbearbeitungsprogramme vorgenommen.

Wann ist ein Dokument weitgehend barrierefrei?

  • Das Dokument besteht aus durchsuchbarem Text und nicht aus eingescannten Bildern.
  • Formularfelder sind, sofern vorhanden, zugänglich.
  • Die Struktur des Dokuments wird mit Tags abgebildet (Tagged PDF).
  • Die Lesereihenfolge ist klar und eindeutig.
  • Für alle grafischen Elemente, Hyperlinks und Formularfelder stehen beschreibende Texte (Alternativtexte) zur Verfügung.
  • Es stehen Navigationshilfen (Lesezeichen, Links, Inhaltsverzeichnis, Überschriften) zur Verfügung.
  • Die Hauptsprache des Dokuments ist angegeben.
  • Die im Dokument verwendeten Schriftarten sind im Dokument eingebettet bzw. liegen dem Leser vor.
  • Die Sicherheitseinstellungen behindern nicht den Einsatz von Screenreadern.

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