Tag der Abrechnung –
Die Social Media-Falle

Erfolgserlebnisse im Web – Die Bereitschaft, auch intimste Erlebnisse in Netzwerken öffentlich preiszugeben scheint immer noch grenzenlos. Dafür gibt es zu allem die passende App. Der Lohn sind Aufmerksamkeit sowie die Bestätigung der eigenen Attraktivität. Und das macht nun mal glücklich.

Menschen haben den Drang, von sich selbst zu erzählen. 40 Prozent von dem, was Menschen täglich sagen, bezieht sich auf ihre eigenen Gefühle und Erlebnisse, heißt es in einer Studie der Harvard University (Diana Tamir) die schon im Jahr 2012 im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences präsentiert wurde.

Ob soziales Netzwerk oder Onlineshop: Bevor eine Plattform im Internet auf die Leute losgelassen wird, muss eine ansprechende Benutzeroberfläche für die passende Zielgruppe her. Ist erst einmal ein Geschäftsziel ausgemacht, machen sich Entwickler und Designer an die Wireframes, die Prototypen der Websites. „Ob das Produkt ankommt, lässt sich anhand von Werthypothesen ermitteln“, sagt Daniel Schmid, Wirtschaftsingenieur und Inhaber einer Agentur für User Experience und Interaction Design. Denn aus der Verhaltensforschung weiß man: Je wertvoller die Belohung, desto eher wird eine Person eine Aktion ausführen.

Vor nicht allzu langer Zeit speicherten Nutzer ihre Bilder, Musik und anderen Daten noch zu Hause auf der Speicherplatte ihres PCs. „Die Nutzung fand auf dem persönlichen Gerät statt und unterlag auch der Kontrolle des Besitzers“, sagt Professor Thilo von Pape, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim. Er beschäftigt sich unter anderem mit den Strategien, die Nutzer weg vom PC mit seinen Programmen hin zu Apps und kleinen, mobilen Endgeräten locken sollen. „Heute ist alles zentralisiert und personalisiert“, sagt er. Unsere Bilder sind bei Pinterest gespeichert, unsere Musikliste auf Spotify und unsere Bücher auf dem Kindle von Amazon. „Damit erhalten die Unternehmen nicht nur Einsichten in unser Verhalten“, sagt von Pape, „sondern auch die Kontrolle über die Produkte.“

Wenn Nutzer gegen die Nutzungsbedingungen der Unternehmen verstoßen, kann Amazon deren Bücher, YouTube deren Videos und Facebook deren Profil löschen. Ein Grund, warum die Modelle dennoch funktionieren, ist der scheinbare Vorteil, den die Nutzer davon haben sollen. Man kann man mit jedem Gerät von fast jedem Ort auf alles zentral gespeicherte zugreifen. Der Nutzer glaubt Zeit zu sparen und ist glücklich darüber, denn Zeit ist kostbar. Bei der Verlagerung privatester Bilder und Daten auf den Grund der Unternehmen, laufen wir Gefahr, dass diese die Regeln diktieren und die Nutzer komplett in der Tasche haben. Am Ende des Tages wird abgerechnet, wenn die Frage gestellt wird, ob das Glück auf Knopfdruck seinen Preis wert war.

lk

 

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