Barriere­freiheit
im Netz

Mit der Einbeziehung von Menschen mit Behinderung wird eine nicht unerhebliche, weitere Nutzer- und Kundengruppe erschlossen.

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen an der Informationsgesellschaft hat wenig mit abgesenkten Bordsteinen, aufwändigen Zufahrtsrampen und teuren Fahrstühlen zu tun. Viel zu oft noch stoßen Menschen mit Behinderung auf Webseiten, die für sie nicht nutzbar sind. Sei es, weil Informationen nicht in Gebärdensprache abrufbar sind oder vom Computer sinnvoll vorgelesen werden können.

Für Onlineangebote der Bundesverwaltungen und Landesverwaltungen allerdings ist die Barrierefreiheit Pflicht. Seit Anfang 2006 sind sie angehalten ihre Internet-Auftritte so zu gestalten, dass sie auch von Menschen mit Behinderung nutzbar sind. Diese Anforderungen regelt die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) für den Bund. Entsprechende Verordnungen und Gesetze gibt es auch auf kommunaler und Länderebene.
Als erstes Bundesland richtete Nordrhein Westfalen für die Polizei eine Homepage ein, die für alle zugänglich ist. Bei der Webgestaltung wurde, von Beginn an, auf behindertengerechte Bedienbarkeit Wert gelegt. Fachliche Unterstützung holte er sich bei betroffenen Usern, externen Fachleuten und mit der Thematik vertrauten Kollegen. Damals gab es noch keine Vorschriften. Herausgekommen ist eine sauber programmierte, gut strukturierte und, nach damaligem Standard, ansprechend gestaltete Website, die auch Anwendern assistiver Technologien, wie Screenreadern, leichten Zugang ermöglicht. Wichtige Inhalte sind zudem als Video in Gebärdensprache abrufbar.
Das hat auch die Jury des BIENE-Awards, einem Wettbewerb für barrierefreie Webgestaltung, den die Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen von 2003 – 2010 jährlich ausgeschrieben haben, überzeugt. BIENE steht für »Barrierefreies Internet eröffnet neue Einsichten«. In der Kategorie E-Government gewann das Polizeiportal NRW die goldene und die Homepage der Versorgungsämter Baden-Württemberg die silberne Biene.

Beide Angebote bestanden nicht nur das Prüfverfahren auf Grundlage der BITV und anderer relevanter Zugänglichkeitskriterien, sondern auch die Praxistests mit betroffenen Nutzern. Von den 173 Bewerbern qualifizierten sich dafür nur 23 Anbieter. Vieles, was unter dem Etikett Barrierefreiheit angeboten wird, erweist sich bei näherer Betrachtung, auch heute noch, als unzureichend. Für die Anbieter der Inhalte gibt es oft ein böses Erwachen, haben sie doch nicht selten in teuere Technik investiert, wie beispielsweise in Content Management Systeme (CMS). CMS erleichtern das Einpflegen von Inhalten. Ein Sachbearbeiter braucht nur seinen Text einzutippen, die Umsetzung in das Weblayout erledigt die Technik.

Die Gute Nachricht ist: Seit den 2010er-Jahren sind barrierefreie Komponenten und Techniken nahezu überall im Einsatz. Nicht von ungefähr wurde die Standardisierung auf Grund der Optimierungen und Weiterentwicklungen bei der Auffindbarkeit von Webinhalten durch Suchmaschinen voran getrieben. Pferdefuß sind in der Regel individuelle Anpassungen und Veränderungen, die das zu gründe liegende technische Prinzip mit abwandeln, quasi unter der Oberfläche. Die Folge: Eine Vorlesesoftware, wie Blinde oder stark Sehbehinderte sie oft einsetzen, kann den Inhalt nicht oder nicht sinnvoll wiedergeben. Doch das muss nicht sein. Webseiten, für die Inhalt und Gestaltung nach den aktuellen Standards (X)HTML und CSS getrennt voneinander »programmiert« worden sind, sind von fast allen erreichbar – unabhängig davon, ob sie assistive Technologien nutzen oder die Homepage auf mobilen Ausgabegeräten, wie dem Handy oder dem Auto-Bordcomputer, betrachten wollen. Zeitgemäße CMS sind absolut in der Lage, solche standardkonformen Seiten zu verwalten.

Mit barrierefreien Angeboten können Behörden sicher sein, dass sie durch die Digitalisierung auch tatsächlich Kosten sparen. Denn wenn Behörden ihre Dienstleistungen nicht komplett online für alle zugänglich machen, müssen sie zusätzliches Personal für die offline Bearbeitung vorhalten.
Interessant sind barrierefreie Webseiten aber auch für kommerzielle und private Anbieter. Die damit einhergehende gleichzeitige Suchmaschinenoptimierung, erhöht die Auffindbarkeit der Webseite und damit die Seitenbesuche. Aber eben nicht nur wegen und für Google und Co. – mit den Menschen mit Behinderung wird ja auch eine nicht unerhebliche weitere Nutzer- und Kundengruppe erschlossen.

lk, 1. Dezember 2013

 

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