designweb online social-media● pmmb.de Blog

Grid – Klarheit und Konsistenz

Raster sind beliebte Grundlage für Ordnung im Design. Proportion, Rhythmus, Leerraum und Hierarchie sind Designmerkmale, die die kognitive Erfassbarkeit direkt beeinflussen. Das menschliche Gehirn gewinnt Eindrücke in Sekundenbruchteilen. Ein Design, das haltlos zusammengesetzt ist, wird den Gegenstand weniger brauchbar und vertrauenswürdig erscheinen lassen. Gitter verbinden und verstärken die visuelle Hierarchie des Designs, indem sie eine Reihe von Regeln bereitstellen und Klarheit und Konsistenz zum Ausdruck bringen.

Designeinnen und Designerrn aller Metiers stellt sich immer wieder die Aufgabe ihren Designs Struktur zu verleihen oder Gestaltelemente in eine Struktur einzufügen. Eine grundlegende Möglichkeit Strukturen zu generieren oder zu steuern um ein organisiertes Design zu erzielen ist die Anwendung eines Rastersystems. Ein Gitter ist wie ein unsichtbares Rückgrat das ein Design zusammenhält. Auch wenn Elemente physisch in der Wahrnehmung und Anordnung getrennt sind, verbindet sie etwas miteinander. Raster und Layoutsysteme sind Teil eines gestalterischen Erbes und jahrhundertealtes Kulturgut. Gleichwohl sind sie in unserer aktuellen Multiscreen-Welt nach wie vor relevant.

Grids verbinden verschiedene Designelemente miteinander. Mit wenig Aufwand lässt sich eine effektive Hierarchie, Ausrichtung und Konsistenz zu erreichen.

Entwicklung

Ein Grid ist eine Gitterstruktur, ein Raster,  aus sich überschneidenden horizontalen und vertikalen Linien. So entstehen Aufteilungen in Form von Spalten, Reihen und Modulen. Gestalter benutzen diese Gitterstruktur, um Elemente, wie Text und Bildinhalte, anzuordnen. Die Linien eines Rasters müssen dabei nicht unbedingt sichtbar sein.
Grids sind in der Typografie verwurzelt. Gitterlinienstrukturen kamen bei den ältesten handschriftlichen Überlieferungen und Manuskripten zum Einsatz, um Zeilen auszurichten, Seiten zu gestalten und das Lesen zu erleichtern.
Im 13. Jahrhundert schuf der französische Architekt Villard de Honnecourt ein Diagramm, um ein „harmonisches Design“ zu erreichen. Das Diagramm vereinigte ein Rastersystem mit dem Goldenen Schnitt und diente als Vorlage für Seitenlayouts auf der Basis vorgegebener Verhältnisse und Proportionen. Büchern und Zeitschriften liegt nicht selten auch heute noch das Diagramm von Villard de Honnecourt zu Grunde.
Gemälde der Renaissance nahmen weiteren Einfluss auf die Entwicklung von Rastersystemen. Künstler strebten perfekter Geometrie, die zu zentrierten und symmetrischen Leinwandaufteilungen führte.
Das Raster oder Grid, wie wir es heute kennen, geht auf die Schweizer Typografie nach dem ersten Weltkrieg und aus der Bauhausnachfolge hervor. Gedruckte Publikationen erschienen mehrsprachig. Die Designer benötigten für den Textsatz und die Gestaltungsaufgaben ein neues Rastersystem, das dies ermöglichte. Typografen wie Jan Tschichold und Herbert Bayer entwickelten einen modularen Ansatz. Der Leerraum wurde als dynamische Komponente in der Layoutgestaltung verwendet.

Anatomie

Wesentlich für eine Rasterstruktur ist sein Gesamtaufbau:
● Einspaltig, wie im Manuskript von oben nach unten heruntergeschrieben oder Inhalte auf dem Smartphone, die in man in der Vertikalabfolge durch Herunterscrollen auf dem Display erscheinen lässt.
● Mehrspaltige Gitter und Spaltenraster sind nützlich für Layouts, die diskontinuierliche Informationen enthalten. Wenn Sie ein mehrspaltiges Raster verwendenlassen sich Zonen für verschiedene Arten von Inhalten erstellen. Zum Beispiel kann Sie eine bestimmte Spalte nur zur Illustration verwendet werden. Je mehr Spalten zur Verfügung stehen, desto flexibler wird Ihr Raster.
● Modulare Gitter teilen eine Seite sowohl vertikal als auch horizontal in Module. Die Spalten und Zeilen und die dazwischen liegenden Gassen bilden eine Matrix aus Zellen oder Modulen. Modulare Raster geben mehr Kontrolle über ein komplexes Layout. Benachbarte Module können zu Blöcken kombiniert werden.
● Gesamtformat ist der Bereich, in dem das Design platziert wird oder der gestalterische Vorgang stattfinden soll. Bei einem Buch ist das Format die Seite. Im Web entspricht das Format der Größe des Browserfensters.

Bestandteile und Elemente eines Rasters:
● Randbereiche mit ihren Rändern ergeben sich durch den Abstand zwischen der Kante des Formats und der äußeren Kante des Inhalts.
● Spalten, Reihen und Zwischenräume sind die Hauptkomponenten, die Bausteine, ​​von Gittern. Gitter entstehen nicht nur durch horizontal und vertikal angeordnete parallele Elemente in rechtwinkligen Strukturen. Arrabestken aus dem Bereich der Ornamentik greifen gerne auf dreieckige Schnittverläufe zurück, die im Winkel stehenden, paralellen Spalten, Reihen und Zwischenräume treffen im 60 Winkel aufeinander.
● Module sind Raumeinheiten, die aus den Flächen zwischen den Schnittpunkt von Spalten und Zeilen erzeugt werden. Die Module könne gleichförmig sein, rhytmisch angeordnet oder unterschiedlich und individuell platziert.

Arbeitsweise

Grids sind ein wesentlicher Teil von Style Guides, deren Umsetzung die meisten Designprojekte beinhalten. Sie bilden ein ein Framework, das den Workflow vom Designer zum Entwickler beschleunigt.
Im Gegensatz zur Druckproduktion sind digitale Produkte niemals fertig – sie verändern sich ständig und entwickeln sich weiter. Grids bieten eine solide Basis. Ein Raster ist ein Skelett das unterschiedlichte Anmutungen und „Looks“ haben kann.
Raster erleichtern Designern die Zusammenarbeit an Entwürfen, indem sie einen Plan für die Platzierung von Elementen bereitstellen. Rastersysteme helfen dabei, die Arbeit am Schnittstellendesign zu entkoppeln, da mehrere Designer an verschiedenen Teilen des Layouts arbeiten können. Ihre Arbeit nahtlos integrierbar und konsistent.

Ein Raster ist nicht in Stein gemeißelt. Wie bei jedem Teil eines Entwurfs kann das Gitter entsprechend der Möglichkeiten und Vorgaben der Rahmenbedingungen auch verlassen werden. Grenzüberschreitungen sorgen für Aufmerksamkeit, Dynamik und Prägnanz.

Schluß

Josef Müller-Brockmann, der mit seinen Buchveröffentlichungen schon in den 1960er Jahren zum Thema Layoutraster Zeichen setzte:
„Das Rastersystem ist eine Hilfe, keine Garantie. Es ermöglicht eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten und jeder Designer kann nach einer Lösung suchen, die seinem persönlichen Stil entspricht. Aber man muss lernen, wie man das Gitter benutzt; Es ist eine Kunst, die Übung erfordert.“

lk, Dez. 2017